Ein Weingut, welches ich jedes Mal besuche, wenn ich in Galicien bin und das auch Teil der Galicien-Weinreisen ist, ist die Adega do Demo. Ein kleines Weingut, kaum bekannt außerhalb Spaniens, aber eines meiner liebsten im Ribeiro-Gebiet. Es ist eines dieser Weingüter, die Weinfans das Herz aufgehen lassen: klein, Handarbeit, absolute Herkunfts- und Qualitätsorientierung, minimale Eingriffe im Weinberg und im Keller. Hier steckt Herzblut im Wein, der nicht als Produkt, sondern als regionales Kulturgut begriffen und entsprechend behandelt wird. Aber das Wichtigste ist: die Weine der Adega do Demo strotzen vor Charakter und Geschmack.

Gut, Geschmack haben die meisten Weine. Aber das mit dem Geschmack ist so eine Sache. Da kann man nämlich nachhelfen, wenn man will. Reden wir mal über Weißweine. Ein großer Teil der Weißweine, kommen sie aus dem Ribeiro-Gebiet oder woanders her, sind für den schnellen, unkomplizierten Genuss gemacht. Sie sind sauber, fruchtig, gefällig, im Keller genau auf diesen Effekt hin getrimmt und nach „Rezept“ hergestellt. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, viele Lebensmittel, die wir Tag für Tag konsumieren, werden so produziert und den Leuten schmeckt’s. Aber wer einmal vom „Wein-Virus“ infiziert wurde und einen möglichst natürlichen Herkunftscharakter sucht, findet an solchen Tropfen meist keinen Gefallen mehr. Dann greift man lieber zu den „anderen“ Weißweinen. So wie zu den Weinen der Adega do Demo.

Was ist guter Wein?

Was macht einen richtig „guten“ Wein aus? Das ist ein großes Thema, über das sich wunderbar philosophieren lässt. Ich fasse mich an dieser Stelle kurz und werfe folgende Basis-Eigenschaften in den Ring (wohlwissend, dass das Thema komplex ist): geeigneter Standort, Ertragsreduzierung, schonender Umgang mit den Trauben bei der Lese und im Weingut, weitgehender Verzicht auf chemische Behandlungen im Weinberg, weitgehender Verzicht auf Hilfsmittel im Keller. Diese Bedingungen erfüllt die Adega do Demo schon mal. Konsequent biologisch zu arbeiten ist im feucht-warmen Ribeiro-Gebiet eine große Herausforderung, die die Weingüter vor schwierige Entscheidungen stellt. Kann man machen, aber dann verliert man in der Regel die gesamte Ernte. Und das kannst du dir als Weingut höchstens eins, zwei Mal leisten und dann schwenkst du um zum „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“-Prinzip.

Du kennst die galicische Weinregion Ribeiro nicht? Das solltest du ändern:

eine ausführliche Einführung in das schöne Ribeiro-Gebiet findest du in diesem Artikel

Die Weine von Carlos Lorenzo haben Charakter. Charakter klingt manchmal kompliziert, ist in diesem Zusammenhang jedoch ausschließlich positiv gemeint. Diese Ribeiro-Weine sind authentisch, vielschichtig, haben Tiefe und Länge. Es sind spannende, wandelbare Weine, die nach dem ersten Schluck die Lust schüren, sie weiter zu erkunden, nicht nur zu trinken. Das trifft auf fast alle Weine des Weinguts zu, auch wenn einer mein Favorit ist: der Bitoku. Ich habe inzwischen einige Jahrgänge probiert und er kriegt mich jedes Mal. Carlos sagt ganz bescheiden, dass es ein typischer Ribeiro ist, wie er früher einmal war. Das ist freilich eine feine Untertreibung (nehme ich aus guten Gründen an).

Weinberg der Adega do Demo in der DO Ribeiro. Bild: Sascha Brandenburg

Der Bitoku ist das Aushängeschild der Adega do Demo

Der Bitoku ist der bekannteste Wein des Weinguts, nicht zuletzt, weil von diesem Wein die meisten Flaschen entstehen. Seinen Namen hat dieser Weißwein von einem Koi-Karpfen, der den Bewässerungssee in Carlos‘ größtem Weinberg bewohnte. Wie in der Region üblich handelt es sich um eine Cuvée: den Hauptteil bildet die lokale Leitsorte Treixadura, die mit etwas Loureira vermählt wird. Ausgebaut im Edelstahl, um die Frische und den Rebsortencharakter zu bewahren.

Was den 2021er Bitoku, den ich hier geöffnet habe, von den üblichen Ribeiro-Weißweinen unterscheidet, ist vor allem Substanz. Die Frucht ist da, aber sie drängelt sich nicht ins Rampenlicht: gelber Apfel und Birne, dazu Kräuter, Blüten, eine Ahnung Fenchel. Darunter ein reizvoller herber Hauch, etwas Grip, ein leichter Schmelz. Getragen wird das Ganze von einer straffen Säurestruktur, die sich trotzdem nie in den Vordergrund spielt. Das ist Genuss mit mehr Anspruch!

Am meisten beeindruckt mich, wie lange der Wein bleibt. Intensität und Beständigkeit sind bei allen Adega do Demo-Weinen charakteristisch, beim Bitoku macht es besonders viel Spaß: Der Geschmack verschwindet gar nicht mehr aus dem Mund. Und man kann die Flasche getrost stehen lassen, auch Tage nach dem Öffnen verlieren diese Weine nichts. Sie entwickeln sich, erzählen die Geschichte weiter und sind der sinnliche Beweis dafür, warum die Weinwelt so faszinierend ist.

Carlos Lorenzo. Oder: wenn man’s nicht selber macht…

Das Weingut Adega do Demo befindet sich im Dorf Alongos, in den östlichen Ausläufern des Ribeiro-Gebiets nahe der Provinzhauptstadt Ourense, im alten Haus der Familie. Demo ist übrigens das galicische Wort für Teufel und der Name hat seinen Ursprung in einer alten Familiengeschichte – aber das erzählt Carlos lieber selbst bei gutem Wein und Tapas.

Carlos, der in Deutschland aufgewachsen ist und daher fließend deutsch spricht, hatte schon als Kind seinem Großvater in den Ferien in Galicien beim Weinmachen über die Schulter geschaut. Damals machten im Ribeiro-Gebiet alle Wein zuhause für den eigenen Verbrauch. Diese Zeit ist offenbar im Gedächtnis geblieben. Denn viele Jahre später hängte Carlos seinen Job in Madrid als Leiter der spanischen Niederlassung eines deutschen Unternehmens an den Nagel und zog ins beschauliche Ribeiro-Gebiet, um fortan Wein zu machen (im Weinmagazin todovino.de hatte ich dazu schon einmal eine ausführlichere Reportage geschrieben). Viele Jahre baute er Trauben an, die er bei der lokalen Kooperative ablieferte, bis er irgendwann die (sympathischerweise locker sitzende) Schnauze voll hatte und seine Vorstellung von gutem Wein umgesetzt sehen wollte. Wenn man’s nicht selber macht, macht’s bekanntlich niemand, also Weingut gegründet und fantastische Weine produziert – so einfach ist das manchmal. Wobei Carlos hier wahrscheinlich widersprechen würde, denn einfach ist das Winzerleben sicher nicht.

Carlos Lorenzo der Adega do Demo. Bild: Sascha Brandenburg

Weinprobe bei der Adega do Demo: Ein Abend in Alongos

Wenn du an der Galicien-Gruppenreise teilnimmst, dann wirst du das exklusive Vergnügen haben, nicht nur an einer Weinprobe in der Adega do Demo teilzunehmen, sondern einen ganzen Abend dort zu verbringen. Carlos macht nämlich nicht nur Wein, er ist auch ein ausgesprochen guter Gastgeber, der viel zu erzählen weiß. Ein unprätentiöser Abend im alten Familienhaus, keine Touristenshow, sondern ein authentisches Beisammensein bei fantastischem Wein, leckeren regionalen Tapas und guten Gesprächen. Solche Abende bleiben im Gedächtnis.

Hast du Lust bekommen auf eine Weinreise ins Ribeiro-Gebiet?

Es lohnt sich!

Hier findest du mehr Informationen.

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