Im Jahr 1133 legte man in Santiago de Compostela per Dekret die Preise für Lebensmittel fest, die in der Stadt gehandelt wurden. Unter den Weinen war einer der teuerste von allen: der aus dem Weinbaugebiet Ribeiro. Das Dekret gilt als früher Beleg für den florierenden Handel und die Wertschätzung der Ribeiro-Weine. Wer heute einen Weinshop durchstöbert oder durch das Anbaugebiet fährt, muss sich diesen Rang erst wieder zusammendenken. Die D.O. Ribeiro ist keine laute Weinregion und steht – insbesondere aus mitteleuropäischer Perspektive – etwas im Schatten der großen und bekannten spanischen Weinbaugebiete. Aber es lohnt sich unbedingt, das noch sehr ursprüngliche Ribeiro-Gebiet und seine Weine zu erkunden.

Wo liegt das Weinbaugebiet Ribeiro? Eine kurze geografische Einordnung

Bevor wir zu den „aromatischen“ Informationen kommen, zur Einführung etwas Hintergrundwissen. Die Denominación de Origen (kurz D.O., die Herkunftsbezeichnung) Ribeiro befindet sich in Galicien, im äußersten Nordwesten Spaniens. Genauer: im Inland Galiciens, zwischen den Weinbaugebieten Rias Baixas und Ribeira Sacra, am nordwestlichen Rand der Provinz Ourense. Die Provinzhauptstadt Ourense, bzw. Orense auf Kastilisch, liegt direkt angrenzend im Osten des Weinbaugebiets und ist mit etwas über 100.000 Einwohner:innen das Handelszentrum der Region.

Das Kerngebiet bildet die Zone, in der die Täler der Flüsse Miño, Avia und Arnoia zusammenlaufen, rund 50 Kilometer Luftlinie vom Atlantik bzw. der Ría von Vigo entfernt.

Der Miño bei Ribadavia. Bild: Sascha Brandenburg

Das Anbaugebiet, das nicht ganz deckungsgleich ist mit der Comarca O Ribeiro, umfasst als Produktionszone unter anderem die Gemeinden

  • Ribadavia,
  • Arnoia,
  • Castrelo de Miño,
  • Carballeda de Avia,
  • Leiro, Cenlle,
  • Beade,
  • Punxín und
  • Cortegada, dazu Teilbereiche von
  • O Carballiño,
  • Boborás,
  • Ourense,
  • Toén und
  • San Amaro.

Insgesamt verfügt nach Angaben des Consejo Regulador die Rebfläche das Weinbaugebiet Ribeiro aktuell über etwa 1.300 Hektar Rebfläche, mit sinkender Tendenz (manchmal hört man vor Ort auch niedrigere Zahlen). Damit ist Ribeiro nach Rias Baixas und Ribeira Sacra und vor Valdeorras und Monterrei das drittgrößte Weinbaugebiet Galiciens mit D.O.-Status.

Die drei Flusstallagen von Ribeiro: Miño, Avia und Arnoia

Der Name selbst ist Programm: Ribeiro bedeutet auf Galicisch schlicht „Uferland“. Man muss in dieser Region nie lange nach Wasser suchen.

Der Miño ist der bedeutendste Fluss Galiciens, und im Ribeiro ist er der Taktgeber. Der Consejo Regulador unterscheidet drei Täler nach ihren drei Hauptflüssen: Miño, Avia und Arnoia. Geografisch sauber wäre eigentlich, von den vier Tälern zu sprechen: Der im Osten gelegene Barbantiño gehört historisch ebenso zum Ribeiro wie die anderen drei. Nur klingt „die drei Täler“ eben besser, und so hat es sich eingebürgert. Zugegeben: die Bedeutung dieses Flusses ist auch kleiner.

Ribeiro ist eine sanfte Landschaft aus Flüssen, Wäldern, Hängen und durch Steinmauern gestützte Terrassen bzw. Bancales, wie sie hier bezeichnet werden. Das Relief des Weinbaugebiets ist jedoch mancherorts steiler, als die Postkartenansicht vermuten lässt. Vom Westen her, wo die Sierras do Suído und Faro de Avión die 1.000 Meter überschreiten, fällt das Land treppenförmig ab bis auf gut 100 Meter am Talgrund. Die Einheimischen unterscheiden schlicht zwischen ribeira – dem Flussland – und montaña. Wer im Ribeiro von „oben“ und „unten“ spricht, meint keine Hierarchie, sondern Höhenmeter.

Der Rebbau reicht etwa bis auf 450 Meter Höhe; darüber wird der atlantische Charakter zu stark, aber das mag sich in den kommenden Jahren vielleicht ändern. Ein Teil der historischen Flussterrassen liegt heute übrigens unter Wasser: der Stausee von Castrelo do Miño hat sie verschwinden lassen.

Bild: Sascha Brandenburg

Das Mikroklima der drei Täler: Übergang zwischen Atlantik und Kontinent

Hier wird es interessant. Die Küste ist nah, aber ihr klimatischer Einfluss kommt nicht durch – jedenfalls nicht ungebremst. Die D.O. Ribeiro liegt in einer Übergangszone mit mediterran geprägtem Charakter, der durch die atlantische Nähe abgemildert wird. Die Gebirgsketten im Westen und Norden wirken als Schutzschild und sorgen dafür, dass die alkoholische Reife parallel zur phenolischen verläuft – bei erhaltener natürlicher Säure.

Während das milde Atlantikklima in Rías Baixas für leichte, knackig-frische Weine sorgt, bringt das Klima im Ribeiro mehr Tiefe ins Glas: Die heißen Sommertage verleihen den Weinen spürbar mehr Körper, Struktur und reifere Fruchtaromen. Gleichzeitig sorgen die kühlen Nächte dafür, dass die Trauben ihre lebendige Frische bewahren. Über das Miño-Tal einströmende Meeresluft schafft an den höheren Hängen schließlich ein faszinierendes Spiel zwischen kontinentaler Fülle und atlantischer Eleganz.

Die nackten Zahlen des Consejo Regulador der DO Ribeiro:

  • 14,5 °C Jahresmitteltemperatur,
  • 950 mm Niederschlag,
  • 1.915 Sonnenstunden, von denen bis zu 40 Prozent auf Juli und August entfallen.

Zwei Beispiele zur Veranschalichung: Während im Sommer an der nahegelegenen Atlantikküste das Thermometer bspw. 27 Grad zeigen kann, können die Temperaturen im Ribeiro-Gebiet auf fast 40 Grad klettern. Oder im Winter ist es denkbar, bei Sonnenschein und 16 Grad von der Küste zu starten und bei 0 Grad und Nebel in den Weinbergen zu stehen und zu frieren. Für den Ribeiro-Wein sind diese Extreme charakterbildend.

Erfahre hier mehr über das besondere Klima in Nordspanien.

Granit und Sábrego: die Böden des Ribeiro

Die Böden des Ribeiro lassen sich grob in drei Typen fassen: Der überwiegende Teil entwickelt sich aus granitischem Ausgangsmaterial mit sandig-lehmigen Texturen, dazu kommen metamorphe Schieferböden und sedimentär geprägte Böden mit lehmigeren Anteilen.

Charakteristisch ist der sábrego, ein verwitterter, zersetzter Granit, der in der Zone sehr häufig vorkommt. Die Kulturböden haben eine effektive Tiefe von etwa 70 bis 100 Zentimetern, hohe Sandanteile, unter 20 Prozent Ton, saure Reaktion, wenig organische Substanz und tendenziell niedrige Calciumgehalte. Große Teile der Weinbergsflächen sind terrassiert, um die Hangneigung zu bändigen und die Sonneneinstrahlung auszunutzen.

Der gern gezogene Kurzschluss „Granit gleich Mineralität“ ist beliebter Weinsprech, aber keine wissenschaftlich belegte Kausalität. Dass Ribeiro-Weißweine oft als kühl und mineralisch wahrgenommen und beschrieben werden – auch von mir –, ist eine sensorische Beobachtung. Die Zuschreibung an den Boden ist eine naheliegende Erzählung, aber keine Tatsache bzw. tatsächliche Messung. Aber Wein trinken ist in erster Linie Genuss und keine Wissenschaft, weshalb meines Erachtens individuelle Wahrnehmungen und poetische Metaphern ihre Berechtigung haben und zum Ritual dazugehören.

Ribeiro ist die älteste D.O. Galiciens: eine Weinbaugeschichte über zwei Jahrtausende

Archäologische Funde steinerner Lagares deuten auf Weinbereitung bereits in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts vor unserer Zeit hin. Der antike griechische Geschichtsschreiber Strabon erwähnt später den Weinbau im nordwestlichen Hispania. Die germanischen Invasionen bedeuteten einen Einbruch, aber keinen Abbruch – im Hochmittelalter kehrte der Weinbau im Ribeiro-Gebiet mit Wucht zurück.

Das Kloster San Clodio. Bild: Sascha Brandenburg

Die eigentlichen Motoren waren, wie so oft, die Klöster. Zisterzienser und Benediktiner, allen voran die Mönche von San Clodio, trieben die Wiederbepflanzung voran, ebenso jene von Oseira und Melón. Aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen Verträge über Rebpflanzungen mit lokalen Grundbesitzern. Abt Pelagio González rühmt im 12. Jahrhundert die Qualität der Ribeiro-Weine, die im Windschatten des Jakobswegs über lokale, englische, holländische, asturische und baskische Händler nach Europa gelangten. Nicht zu vergessen die jüdischen Kaufleute, die in der Bezirkshauptstadt Ribadavia ihr historisches Erbe hinterließen.

Die Blüte lag im 15. und 16. Jahrhundert. Ribeiro war berühmt für seinen süßen und konzentrierten Weißwein, den Vino Tostado. Der Ribeiro-Wein ging nach Frankreich, Portugal, Italien und vor allem nach Großbritannien, verschifft über Pontevedra, Vigo, Baiona und A Coruña. 1592 ist der Versand von 127 pipas Ribeiro-Wein ab Ferrol Richtung Amerika dokumentiert (eine pipa ist ein traditionelles, rund 500 Liter umfassendes Holzfass, das vor allem in Galicien und Portugal jahrhundertelang als Standard-Transport- und Lagereinheit für den Seehandel mit Wein diente). Auch Miguel de Cervantes erwähnt den Wein aus Ribeiro in seinen Werken El Coloquio de los Perros und El Licenciado Vidriera.

Ein Detail, das Weinjuristen aufhorchen lässt: 1579 legten die Stadtordnungen von Ribadavia Anbauzonen sowie Regeln für Produktion und Vermarktung fest, um Fälschungen zu unterbinden. Die WIPO (die oberste globale Behörde, wenn es um den rechtlichen Schutz von geistigem Eigentum geht) erkennt sie als früheste Spur des Schutzes einer geografischen Angabe im spanischen Recht an.

Dann kam das 19. Jahrhundert: 1853 der Oidium, 1886 der Mehltau, ab 1890 die Reblaus. Die notwendige Veredelung auf amerikanische Unterlagen öffnete fremden, ertragreicheren Sorten die Tür, zulasten der autochthonen.

1932 wurde die D.O. Ribeiro proklamiert – die älteste Galiciens und eine der ältesten Spaniens. Den heutigen D.O.-Status im Sinne der geltenden Regulierung führt das Gebiet seit Juli 1957.

Bodegas und Colleiteiros: die kleinteilige Struktur des Ribeiro-Gebiets

Registriert sind derzeit 1.607 Winzer:innen sowie 98 Bodegas und colleiteiros mit zertifiziertem Produkt. Bei rund 1.300 Hektar und im Mittel 10 Millionen Kilo Trauben ist der Ribeiro von extremer Parzellierung geprägt – Minifundismus, komplexe Orografie, traditionelle Handarbeit.

Der colleiteiro ist dabei eine galicische Eigenheit: Selbstvermarkter:innen, die ausschließlich eigene Trauben verarbeiten. Wer die Region verstehen will, sollte beides kennen: die dominierende Kooperative Viña Costeira und die kleinen colleiteiros.

Die Flächenangaben verdienen einen Vorbehalt: Ältere Angaben nennen für 2005 noch rund 2.685 Hektar und 109 Bodegas, und inoffizielle Schätzungen sprechen inzwischen von nur noch etwa 950 Hektar. Die Anbaufläche schrumpft, der Weinkonsum sinkt und viele junge Menschen wollen sich die harte Arbeit auf dem Land nicht mehr antun. Das ist die weniger romantische Hälfte der Geschichte.

Zahlreiche autochthone Rebsorten: die weißen Schätze Ribeiros

Über 90 Prozent der Produktion in der Ribeiro-Region sind heute Weißwein. Auch früher schon war das Ribeiro ein Weißweingebiet, auch wenn der Rotwein nach der Reblauskrise für einige Jahrzehnte dominierte.

Bevorzugte heimische Weißwein-Sorten (Autóctonas Preferentes)

  • Treixadura – Leitsorte und meistgepflanzt. Aromatik: Reife Birne, gelber Apfel und feine Zitrusnoten, begleitet von weißen Blüten und dezenten Kräuteraromen. Verleiht Cuvées Körper, Eleganz und eine cremige Textur bei ausgewogener Säure.
  • Godello – stark im Trend, dritthäufigste Weißwein-Sorte. Aromatik: Grüner Apfel, Weinbergpfirsich und Zitruszesten, häufig ergänzt durch feine Kräuter- oder Fenchelnoten. Mit zunehmender Reife entwickeln sich oft nussige Nuancen. Ergibt strukturierte Weine mit lebendiger Säure und wird häufig als mineralisch beschrieben.
  • Torrontés – traditionelle galicische Sorte mit vergleichsweise kleiner Anbaufläche, geschätzt für ihr ausgeprägtes Aroma. Aromatik: Intensiv floral mit Orangenblüten, Jasmin und weißen Blüten, dazu Heu und feine Kräuterwürze. Deutlich aromatisch, jedoch nicht muskatellerartig wie die argentinische Torrontés.
  • Loureira – vor allem als Ergänzung in Cuvées geschätzt und im Ribeiro deutlich seltener als in den Rías Baixas. Aromatik: Typische Noten von Lorbeer, Zitronenschale und Limette, begleitet von frischen Kräutern und einer ätherischen Frische. Bringt Duft und Lebendigkeit in den Verschnitt.
  • Albariño – der Weißwein-Star aus dem Rias Baixas-Gebiet ist im Ribeiro von untergeordneter Bedeutung und wird meist als Verschnittpartner geschätzt. Aromatik: Pfirsich, Aprikose, Grapefruit und weiße Blüten. Verleiht den Cuvées Frische, Frucht und aromatische Spannung, auch wenn die Albariños aus dem Ribeiro meist etwas breiter sind als aus dem atlantisch geprägten Rias Baixas.
  • Lado – seltene autochthone Sorte, die heute nur noch auf kleinen Flächen kultiviert wird. Aromatik: Helle Steinfrüchte, weiße Blüten und feine balsamische Nuancen. Geschätzt für ihre Eleganz, Frische und ausgewogene Säurestruktur.
  • Albilla do Avia – fast ausschließlich im Ribeiro verbreitete Lokalsorte mit sehr geringer Anbaufläche. Aromatik: Zarte Kernobstnoten, milde Zitrusaromen und eine feine Kräuterwürze. Trägt Eleganz, Frische und subtile Aromatik zum Blend bei.
  • Branco Lexítimo – seltene autochthone Sorte, die im Ribeiro wieder verstärkt angepflanzt wird; in Asturien und León auch als Albarín Blanco bekannt. Aromatik: Sehr aromatisch mit wilden Kräutern, Zitrusfrüchten und exotischen Anklängen wie Passionsfrucht. Charakteristisch sind die markante Säure und die ausgeprägte Frische.
  • Caíño Branco – seltene galicische Sorte, die vor allem zur Erhöhung von Frische und Säurestruktur eingesetzt wird. Aromatik: Grapefruit, grüne Mandarine und Limette, ergänzt durch dezente tropische Anklänge. Liefert eine sehr prägnante Säure, Frische und einen langen, häufig als steinig beschriebenen Nachhall.

Weitere zugelassene Rebsorten (Autorizadas)

  • Albillo – traditionell im Ribeiro vertreten, heute jedoch nur noch von geringer Bedeutung. Aromatik: Eher zurückhaltend mit reifem gelbem Apfel, dezenten Honignoten und einer feinen nussigen Cremigkeit. Meist moderat in der Säure und rund im Ausdruck.
  • Macabeo (Viura) – international weit verbreitete Sorte mit kleiner Anbaufläche im Ribeiro. Aromatik: Grüner Apfel, weiße Melone und zarte Mandelnoten. Eine eher neutrale Sorte, die Frische, Struktur und Ausgewogenheit in die Cuvée bringt.
  • Palomino – historisch bedeutend und heute immer noch die zweitmeistgepflanzte Rebsorte des Ribeiro-Gebiets. Aromatik: Sehr zurückhaltend mit dezenten Noten von Apfel, getrockneten Kräutern und Stroh. Historisch vor allem wegen ihrer Ertragsstärke verbreitet und heute immer noch gerne zum „Auffüllen“ verwendet.

Bei den roten Rebsorten für Ribeiro-Wein dominieren Mencía und autochthone Varietäten

Bevorzugte heimische Rotwein-Sorten (Autóctonas Preferentes)

  • Caíño Tinto – eine der wichtigsten traditionellen Rotweinsorten des Ribeiro. Aromatik: Sauerkirsche, rote Johannisbeere und Waldbeeren, ergänzt durch Veilchen, Kräuter und feine Gewürznoten. Liefert elegante, säurebetonte Weine mit moderatem Alkohol und gutem Reifepotenzial.
  • Caíño Longo – seltene autochthone Sorte, die heute nur noch auf kleinen Flächen angebaut wird. Aromatik: Rote Kirschen, Himbeeren und Preiselbeeren, dazu florale Noten und dezente Kräuterwürze. Bringt Frische, Finesse und Lebendigkeit in den Verschnitt.
  • Caíño Bravo – ausgesprochen selten und fast ausschließlich in Galicien zu finden. Aromatik: Dunkle Waldbeeren, Brombeeren und Schwarzkirschen, begleitet von Veilchen und würzigen Anklängen. Ergibt farbintensive, strukturierte Weine mit markanter Säure.
  • Ferrón – historische galicische Rebsorte mit heute sehr geringer Verbreitung. Aromatik: Schwarzkirsche, Brombeere und Pflaume, ergänzt durch Kräuter und feine balsamische Noten. Schätzt man wegen ihrer Struktur, Frische und guten Eignung für Cuvées.
  • Sousón – eine der charaktervollsten roten Sorten Galiciens und wieder deutlich im Aufwind. Aromatik: Brombeere, Heidelbeere und Schwarze Johannisbeere, dazu Veilchen, Pfeffer und Kräuter. Liefert tiefdunkle, tanninreiche Weine mit ausgeprägter Säure und hohem Alterungspotenzial.
  • Mencía – die heute am weitesten verbreitete rote Sorte des Ribeiro. Aromatik: Reife Kirschen, Himbeeren und Waldbeeren, ergänzt durch Veilchen, Lakritz und feine Gewürznoten. Ergibt elegante, fruchtbetonte Weine mit seidigen Tanninen und ausgewogener Frische.
  • Brancellao – traditionsreiche Sorte, deren Anbau seit einigen Jahren wieder zunimmt. Aromatik: Rote Johannisbeeren, Kirschen und Granatapfel, begleitet von Veilchen, Gewürzen und feinen Kräutern. Geschätzt für Eleganz, Frische und feinkörnige Tannine.

Weitere zugelassene rote Rebsorten (Autorizadas)

  • Garnacha Tintorera (Alicante Bouschet) – international verbreitete Färbertraube mit begrenzter Bedeutung im Ribeiro. Aromatik: Schwarze Früchte, Pflaumen und Brombeeren, häufig ergänzt durch würzige und leicht rauchige Noten. Wird vor allem wegen ihrer intensiven Farbe und Struktur eingesetzt.
  • Tempranillo – im Ribeiro nur auf kleineren Flächen vertreten. Aromatik: Kirschen, Pflaumen und rote Beeren, dazu Gewürze, Tabak und feine Kräuternoten. Bringt Fruchtfülle, weiche Tannine und Ausgewogenheit in die Cuvées.

Treixadura: der „Geheimtipp“, der seit 800 Jahren keiner ist

Der „Star“ und das Aushängeschild von Ribeiro ist die Treixadura-Traube. Man müsste die Treixadura eigentlich als Geheimtipp verkaufen, wenn sie nicht schon so lange die selbstverständlichste Sorte der Region wäre … mindestens seit die Mönche von San Clodio ihre Pachtverträge aufsetzten. Die Weißweine des Ribeiro sind in der Regel Cuvées und entstehen zum überwiegenden Teil aus Treixadura, ergänzt durch andere Sorten in kleineren Anteilen. Die meisten werden jung getrunken, aber viele haben ein hohes Flaschenreifepotenzial.

In Galicien und Spanien sind die Reibeiro-Weine aus Treixadura sehr beliebt, während sie im Ausland häufig weitgehend unbekannt sind. Es sind meist aromatische, feine und elegante Weine mit Frucht-, zarten Blüten- und balsamischen Noten, begleitet von einer frischen Säure. Reinsortige Treixadura gibt es, die Regel ist aber wie bereits gesagt der Verschnitt – also gekonnte Komposition statt reiner Rebsortencharakter.

Die Weißweine des Ribeiro sind gastronomische, vielseitige Weine: ausgewogen, fein, mit guter Persistenz. Genau diese Kombination aus Frische, moderatem Alkohol und Textur macht sie zu sehr guten Essensbegleitern, auch wenn sie solo auf der Terrasse ebenfalls sehr beliebt sind.

Kleine private Bodega im typischen Stil der Region. Bild: Sascha Brandenburg

Weine aus der D.O. Ribeiro im Porträt: fünf Kategorien

Die Weine der D.O. Ribeiro gliedern sich in fünf Kategorien: Ribeiro, Ribeiro Castes, Ribeiro Barrica, Ribeiro Espumoso und Tostado Ribeiro. Die Mengenverhältnisse sind eindeutig: rund 90 Prozent Weißwein, etwa 9 Prozent Rotwein, Tostado und Schaumwein zusammen knapp ein Prozent.

Vino Tostado: die Passito-Spezialität, die kaum jemand kennt

Der Tostado do Ribeiro ist ein natursüßer Wein mit langer Tradition, quasi das historische Erbe der Region. Verwendet wird ausschließlich der Most aus den besten autochthonen Trauben, die unter Dach getrocknet werden. Die Produktion ist klein und aufwendig – entsprechend hoch sind die Preise.

Die Regeln sind streng: Die Trocknung dauert mindestens drei Monate, der Most der getrockneten Trauben muss mindestens 350 g Zucker pro Liter aufweisen, und die maximale Ausbeute liegt bei 40 Litern Wein je 100 Kilogramm Trockenbeeren. Es folgen mindestens 180 Tage in Eichen- oder Kirschholzfässern und 90 Tage Flaschenreife. Die Treixadura ist die bevorzugte Sorte für Tostados.

Im Glas eröffnet sich dann ein aromatisches Spektakel: Trockenfrüchte, kandierte Früchte, Honig, gelbe Blüten, Quittenpaste, kandierte Orangenschale. Es sind konzentrierte Süßweine, mit dem nötigen Gleichgewicht aus Säure und Süße. Wer im Ribeiro eine Flasche findet, sollte zugreifen.

Die übrigen vier Kategorien decken das moderne Spektrum des Ribeiro-Weins ab.

  • Ribeiro bezeichnet die klassische Herkunftsbezeichnung und umfasst die große Mehrheit der Weiß- und Rotweine der Region, häufig als Cuvées aus mehreren zugelassenen Rebsorten.
  • Ribeiro Castes ist Weinen aus den bevorzugten autochthonen Sorten vorbehalten und steht für den stärkeren Fokus auf die traditionellen Rebsorten des Gebiets.
  • Ribeiro Barrica kennzeichnet Weine mit Ausbau im Holzfass, wobei das Holz die Frucht ergänzen, aber nicht dominieren soll.
  • Ribeiro Espumoso schließlich umfasst nach der traditionellen Flaschengärung erzeugte Schaumweine – eine noch junge, mengenmäßig kleine Kategorie, die vor allem auf frische, säurebetonte Weißweinsorten wie Treixadura oder Godello setzt.

Ribadavia: Weinhauptstadt mit sephardischem Gedächtnis

Die „Hauptstadt“ des Ribeiro-Gebiets ist Ribadavia (mit Betonung auf der dritten Silbe). Ribadavia liegt am rechten Ufer des Miño, genau dort, wo der Avia in den Miño mündet. Übrigens ein landschaftlich sehr reizvoller Spaziergang. 1164 verlieh Fernando II. der Stadt das Stadtrecht; zwischen 1065 und 1071 war sie unter König García Hauptstadt des Königreichs Galicien.

Ab dem 11. Jahrhundert siedelten sich Juden in Ribadavia an; 1386 zählte die Gemeinde rund 1.500 Mitglieder. Bis zur Hälfte der Einwohner:innen Ribadavias im 14. Jahrhundert soll jüdisch gewesen sein, wie manche Quellen schreiben. Die meisten waren im Weinhandel tätig, bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492. Die judería, das alte Judenviertel, zählt zu den ältesten und besterhaltenen Galiciens, gehört zum Conjunto Histórico-Artístico und ist Teil der Red de Juderías de España. Ribadavia hat ausserdem eine süße Besonderheit: In der Altstadt werden bis heute Gebäcke nach sephardischen Rezepten verkauft – ein Nachhall jener jüdischen Gemeinde, die den Weinhandel mit aufgebaut hat.

Die Ribadavia-Sehenswürdigkeiten: Was du dir ansehen solltest

  • Castelo dos Sarmiento: die heutige Festung stammt aus dem 15. Jahrhundert, errichtet über älteren Resten, möglicherweise aus dem 9. Jahrhundert
  • Die historische Altstadt, inkl. Rúa da Xudería (auch Rúa de Jerusalén) und die Casa da Inquisición
  • Igrexa de San Xoán, Igrexa de Santiago, Convento de Santo Domingo
  • San Xes de Francelos außerhalb des Ortes, mit Bauteilen vom Ende des 8. Jahrhunderts und vorromanischem Fassadenschmuck
  • Museo do Viño de Galicia: in der alten Casa Rectoral von Santo André de Camporredondo, einem Gebäude des 18. Jahrhunderts, das etwas außerhalb der Stadt liegt
  • Ein Spaziergang vorbei an der Mündung des Avia und entlang des Miño bis zum „Krokodil“.

Die Burgruine von Ribadavia, das Castelo dos Sarmiento. Bild: Sascha Brandenburg

Zwei Termine prägen den Kalender der Stadt:

Die Feira do Viño do Ribeiro, das älteste Weinfest Galiciens, das jährlich um den 1. Mai stattfindet, mit Verkostungen, Pairing-Workshops und Showcooking – ausgezeichnet als Fiesta de Interés Turístico de Galicia.

Die Festa da Istoria, ein mittelalterliches Historienfest mit eigener Währung, dem maravedí – jedes Jahr am letzten Augustwochenende.

Über Ribadavia hinaus: das Umland

Sehenswert und ein beliebtes Ausflugsziel ist das Mosteiro de San Clodio in Leiro, siehe Bild oben. Es gilt als eine der Wiegen des Ribeiro-Weins. Die Ursprünge liegen vermutlich im 7. Jahrhundert, urkundlich erwähnt 928, ab 1225 Zisterze als Tochterkloster von Melón. Die Kirche entstand zwischen 1220 und 1250. Ihre Fassade mit dem heute vermauerten Rosettenfenster gilt als eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Fassaden Galiciens. 1981 wurde der Komplex samt mittelalterlicher Brücke zum Monumento Histórico-Artístico erklärt; heute wird er als Hotel genutzt.

Dazu kommen die Aussichtspunkte über das Miño-Tal und die kleinen Orte Beade, Cenlle und Leiro, die man in einem halben Tag abfahren kann, aber nicht sollte. Mit Zeit erkundet sich diese Region viel besser. Wer nach einem Tag zwischen Weinbergen und rustikalen Dörfern Entspannung sucht, ist im Ribeiro genau richtig. Die Provinz Ourense gilt als Thermalhauptstadt Galiciens und verfügt über Dutzende mineralhaltige Quellen, von denen viele bereits von den Römern genutzt wurden. Besonders entlang des Miño in der Stadt Ourense reiht sich eine ganze Kette von Thermalanlagen aneinander – darunter As Burgas, A Chavasqueira, Outariz, Burga de Canedo und Muiño da Veiga. Mehrere dieser Anlagen sind ganzjährig kostenlos zugänglich; daneben gibt es komfortablere, kostenpflichtige Thermalbäder mit zusätzlichen Wellnessangeboten. Verbunden werden sie durch die rund vier Kilometer lange Ruta Termal del Miño. Wer nicht laufen möchte, kann den kleinen Tren Turístico Termal nutzen, eine Art Bimmelbahn, die vom Hauptplatz der Altstadt bis zu den Thermen am Fluss verkehrt und dabei zugleich als praktische Verbindung und Stadtrundfahrt dient. Für viele Galicier:innen und Spanier:innen gehört deshalb zum perfekten Ribeiro-Tag beides: erst ein Glas Treixadura, dann ein Bad im 40 Grad warmen Thermalwasser.

Zwischen Rías Baixas und Ribeira Sacra liegt das Weinbaugebiet Ribeiro geografisch wie touristisch in der Mitte – und wird von beiden überstrahlt. Für Reisende ist das ein Vorteil: die Ribeiro-Region ist eine ruhige, wenig überlaufene Gegend, die kaum über touristische Infrastruktur verfügt, dafür aber über viel Authentizität. Hier kann man noch spontan in einer adega klingeln, ohne drei Wochen vorher zu buchen.

Tipp: Die Galicien-Weinreise von destino:vino ist eine ideale Gelegenheit, um diese spannende Weinregion zu besuchen und mit kundiger Begleitung die Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps des Ribeiro-Weins zu entdecken.




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